Wenn Klosterelfen mit Landeiern . . .

Selbst wer nicht zu den allergrößten Freunden der Institution Karneval zählt, hat am Ende anerkennen müssen:

Ein voller Saal, super Stimmung und ein schwungvolles Programm, das trotz stellenweise derb-anzüglichen Klamauks größtenteils ein gewisses Niveau hielt:

Bis weit nach Mitternacht hat der Rintelner Carnevals-Verein (RCV) am Sonnabend im voll besetzten Brückentorsaal seine 26. Prunksitzung gefeiert.

«Rinteln.»

Den Auftakt machten die Jüngsten: Als Hexen, Teufel und Geister feierten die von Jessica Riemenschneider trainierten RCV-Mäuse eine „Party in der Gruft“. Und hatten in ihren bis ins kleinste Detail liebevoll gestalteten Kostümen sichtlich Spaß dabei.

„Ihr wart super, ganz toll“, bedankte sich Sitzungspräsident Hans-Hermann Stöckl beim Karnevalsnachwuchs, der ebenso wie die nur unwesentlich ältere RCV-Garde gleichermaßen frisch und professionell daherkam.

„Eigelb zu hell“

Und dann kamen sie, die „sechs Landmaschinen aus Stahl“:

Als Stimmungsband des Abends brachten die „Landeier“ aus Harsewinkel den Saal bereits zu Beginn des Abends zum Tanzen, Klatschen, Schunkeln und Johlen – ob durch eine kurze Sicherheitsunterweisung („wenn es brennt, klatschen wir das Feuer einfach aus“) oder mit einer etwas eigenwilligen Interpretation eines AC/DC-Klassikers („Eigelb zu hell“).

Und nicht zuletzt mit Unterstützung aus dem Publikum: Dania Klimek wurde die Aufgabe zuteil, die Rintelner „Eier-Chöre“ zum Singen zu animieren.

Ein ebenso gelungener Karnevalsimport war Klaus Pape aus Bremervörde, der aus der Perspektive von Bauer Piepenbrink die Weltpolitik aufs Korn nahm. Und auch die Antwort darauf parat hatte, warum Familienministerin Ursula von der Leyen immer so strahlt, als hätte sie Kernbrennstäbe verschluckt: „Sieben Kinder in sieben Jahren – da kann man ja wohl von einem ‚Schnellen Brüter‘ sprechen.“

A propos Prominenz:
Davon hatte der Rintelner Karneval diesmal einiges aufzubieten. Franz Beckenbauer, Angela Merkel, Udo Lindenberg, Rudi Carrell und Joschka Fischer, „das alte Faltengesicht“ – allesamt in Person von Stimmenimitator Christian Korten aus Bad Münder.

Aber warum in Harsewinkel, Bremervörde oder Bad Münder suchen, wenn Rinteln selbst so hinreißende Männer wie die mehr oder minder grazilen „Klosterelfen“ aufzubieten hat?

Eine Augenweide war das RCV-Männerballett: Acht gestandene Männer versuchten sich in einer ausgefeilten Choreografie tapfer an Drehungen, Schrittfolgen – und sogar Hebefiguren, die sämtliche „Dirty Dancing“-Szenen für immer in den Schatten zu stellen drohten.

Für den perfekten Auftritt, von Marion Steding in monatelanger Trainingsarbeit einstudiert, hatten die Elfen im Vorfeld gar einige Opfer gebracht und sich teilweise schmerzhaften Enthaarungsprozeduren unterzogen…

Etwas arg schlüpfrig Noch ein wenig gelenkiger und graziler indes waren die Tanzmariechen Linda Preil und Alicia Sasse, stimmgewaltig wie eh und je die „Rintelner Jungs“.

Und Karneval-Altstar Friedrich-Wilhelm Hoppe brillierte als „Bauer sucht Frau“, der in seinen Eheanbahnungsversuchen bei „Klothilde aus Schaumstoff-Lippe“ landet, dabei mag er doch eigentlich Frauen mit kleinem Mund: „Die können beim Küssen nicht an der Seite noch weiter reden.“

Als Professor Pius Zitzerich trat Paul-Egon Mense in die Bütt, unterstützt von seiner Assistentin Ludmilla Euterich (Yvonne Trgovec-Mense). Das Vater-Tochter-Gespann ließ in seinen Abhandlungen über die Kuh und deren Ähnlichkeit zum Menschen jedoch an einigen Stellen ein wenig das Fingerspitzengefühl vermissen:

Der Auftritt geriet selbst für Karnevalsverhältnisse ein bisschen zu schlüpfrig. Nach vier Stunden das große Finale, der große Applaus – und dann ging es mit dem Feiern erst richtig los…

crs

23.02.2009 / SN Seite 24 Ressort: RINT

Quelle Schaumburger Nachrichten vom 23.02.2009

Bilder der Prunksitzung 2009

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