"Rinteln erleben - das ist der Hammer"

Quelle: Schaumburger Zeitung vom 20.02.2012

Rinteln (dil). "Ostimporte haben der RCV-Prunksitzung im Brückentorsaal neue Glanzlichter aufgesetzt. Boten die blonden Zwillinge Claudia und Carmen aus Dresden mit Körperakrobatik,
 

Saxofonklängen und Publikumsanimation optisch und musikalisch einen Höhepunkt, so kitzelte "Dressmann Lucky" (Michael Stieler aus dem Ostharz) als schwuler Schönling zu vorgerückter Stunde heftigst die Lachmuskeln, manchmal hart an der Grenze des guten Geschmacks. Seine Frage, wer der schönste Mann in Saal ist, er oder Elferratspräsident Hans-Hermann Stöckl, blieb unbeantwortet. Verbal ging sein Wettstreit mit Stöckl unentschieden aus.

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Dominiert wurde das rund dreistündige Programm aber von Traditionellem. Zunächst machte das Prinzenpaar aus Hessisch Oldendorf, Kai-Uwe I. und Claudia I. samt Gefolge seine Aufwartung. Das muss ein ganzer Bus voll gewesen sein. Denn zunächst schickten diese ihre Prinzenehrengarde auf die Bühne, und die Beine wirbelten durch die Luft. Später nahm deren Showtanzgruppe „Ladykracher OCC“ das Publikum in Stewardessenkostümen mit auf einen Panoramaflug durchs Weserbergland. Na ja, ein Panorama aus schönen Frauen, die zu fetziger Musik tänzerisch nicht nur die Sicherheitsanweisungen für Fluggäste präsentierten. Bei so viel Frauenpower kann man beim RCV eigentlich neidisch werden.

Aber der RCV hat ja sein Männerballett „Klosterelfen“. Diesmal entschlüpften sie der Erde als Blumen, die im Rhythmus der Musik ihre Blütenkelche öffnen und schließen. Die komplizierten Kostüme hatte wieder Verena Stahlhut geschneidert, die Choreografie Marion Steding einstudiert. Man sah den Männern die Konzentration an, die nötig ist, flotte Tanzbewegungen ohne Beschädigung der Drahtkonstruktion für den Blütenmechanismus hinzubekommen. Aber fürs Auge eine schöne Sache.

Die „Rintelner Jungs“ ließen wieder Berlusconi, Merkel und Sarkozy mit Masken auf die Bühne kommen, um singend ihren Spott über „Bunga, Bunga“-Partys und Eurokrisen-Management auszugießen. Schunkeln und Mitsingen waren schon hier in dem mit rund 200 Besuchern bei weitem nicht ausverkauften Brückentorsaal angesagt.

Missglückt dann wie schon beim Seniorenkarneval der Büttauftritt von Paul-Egon Mense als Euro-Kritiker. Zu sehr genuschelt, zu schlapp die Pointen, da musste er selbst dem Publikum schon sagen, wo er Applaus und Lachen erwartet. Selbst der Tusch kam meist unpassend. Das konnte Mense vor einem Jahr besser.

Ganz anders der „Rintelner Nachtwächter“ Hans-Hermann Stöckl: Zunächst bekam der zurückgetretene Bundespräsident sein Fett weg, dann zog der die „Erlebniswelt Renaissance“, die Krankenhausplanung, die schleppende Sanierung des alten Musuems, die gescheiterte Volksbankenfusion und die ständigen Provokationen der WGS im Stadtrat gegen den Bürgermeister durch den Kakao. Und seinen immer etwas abgewandelten Refrain konnten bald viele im Saal mitgrölen: „Die treiben es zu doll, wir haben die Schnauze voll.“

Und dann eben die Ostimporte: Charmant, attraktiv, musikalisch und artistisch hochkarätig – Claudia und Carmen schienen direkt aus dem GOP oder Ähnlichem auf die Karnevalsbühne gekommen zu sein. Und als sie auch noch einen Rintelner für eine Schlageranimation („Amore, Amore“) auf die Bühne holten, ohne ihn zu blamieren, hatten sie wohl auch die letzten Herzen im Saal gewonnen. „Rinteln zu erleben, das ist der Hammer“, bedankten sie sich für den herniederprasselnden Beifall und die zwei gezündeten Raketen. Für ihren angeblich ersten Auftritt bei einer Karnevalsprunksitzung ein überwältigender Erfolg.

Nicht minder stark „Lucky“ als schwuler Dressman, der für Geld fast alles tut. Provozieren, anschmeicheln, grob und sanft, vordergründig und hinterfotzig, er reizte das Spektrum der Möglichkeiten weit aus. Mal betretene Blicke, mal heftigste Lachanfälle, er schüttelte das Publikum ganz schön durch. Für den späten Zeitpunkt im Programm genau der richtige Kracher. Und Stöckl, eigentlich rhetorisch der Chef im Saal, frotzelte von der Bühne spitz zurück.

Da hatten die Rintelner Hofsänger es vor dem Finale leicht, das aufgeheizte Publikum zum Mitsingen alter Karnevalshits („Mir lasse de Dom in Kölle“ und so weiter) zu animieren. Fast, um die Stimmungswogen zu glätten, öffnete sich dann das Netz mit Luftballons unter der Decke. Die Einen wurden munter durch den Saal geboxt, andere platzten krachend. Es hörte sich an wie Feuerwerk im Saal – und fast alle bewegten sich dazu fröhlich. Mit der Polonaise begann danach das muntere Weiterfeiern bis tief in die Nacht.

Fazit: Ein gelungener Abend, der einen volleren Saal verdient gehabt hätte.

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