Kräftig rocken bis die Funken fliegen

Schaumburger Wochenblatt vom 09.03.2011 - Rinteln

Beim Rintelner Karneval geht richtig die Post ab / Landeier lassen es krachen, Klosterelfen zeigen grazile Männerbeine und das Publikum ist bunt gemischt

RIN­TELN (s­te). Die Ti­sche wa­ren voll be­setzt, die Gäste viel­fach bunt ver­klei­det, die Stim­mung kochte hoch: "Es ist Kar­ne­vals­zeit!" Erst­mals hatte der aus­rich­tende Rin­tel­ner Car­ne­vals Ver­ein (RCV) mit Karl Lange als Für­st, Hei­ner Pape als Kanz­ler und Karl-Heinz Blaue als Till ein Drei­ge­stirn auf­ge­fah­ren. Und die be­ka­men von ih­rem Eh­ren­platz ein präch­ti­ges Pro­gramm zu se­hen, mit flie­gen­den Bei­nen, schmet­tern­den Trom­pe­ten- und Gi­tar­ren­so­li, ke­cken Tanz­ma­rie­chen und den gra­zi­len Schön­hei­ten des RCV-Män­ner­bal­letts, die als "Klos­te­rel­fen" schon mehr­fach be­geis­tern konn­ten. Die wer­den von Ma­rion Ste­ding trai­niert und ihre auf­se­hen­er­re­gende Show ist schon weit ü­ber die Stadt­gren­zen hin­weg be­kannt und be­liegt. So rich­tig kra­chen ließen es auch die "­Land­ei­er", die mit ab­ge­wan­del­ten Lied­tex­ten welt­be­kannte Ti­tel co­ver­ten und da­bei eine Ra­kete nach der an­de­ren los­ließen. Und zwar im wahrs­ten Sinne des Wor­tes, denn die Py­ro­tech­nik auf der Bühne qualmte und rauchte vom Feins­ten. Die Brand­mel­der im Saal wa­ren ex­tra dafür ab­ge­schal­tet wor­den und die Feu­er­wehr hielt Brand­wa­che.

Star­gast des Abends war Jan Wil­lem. Der selbs­t­er­nann­ten "Ost­frie­si­sche Bau­er" hat so Klas­si­ker wie "Wenn es Dich noch gib­t" auf La­ger und sein trau­ri­ger Blick da­bei in die viel zu weite Hose ließ erah­nen, wen er mit sei­nem Lied mein­te. Der­ber Witz ist sein Mar­ken­zei­chen und im Saal kam das gut an. Bes­ser als die Rent­ner-Bütt von Paul-E. Men­se. Der FDP Kreis­vor­sit­zende mühte sich, ließ ein paar alte Ka­lauer ü­ber die Ver­wal­tung los und hielt sich an­sons­ten an sein Kon­zept ü­ber die Be­schwer­den von Se­nio­ren mit ih­ren Pro­sta­ta­lei­den und Krampf­adern. Was beim Se­nio­ren­kar­ne­val noch halb­wegs auf of­fene Oh­ren stieß, blieb nach der Prunk­sit­zung nicht un­be­dingt im Ge­dächt­nis haf­ten. Dafür hatte Hans-Her­mann Stöckl als Nacht­wäch­ter wie­der reich­lich zu be­rich­ten aus Rat und Ver­wal­tung, Stadt und Kreis. Klar, dass ihm da­bei auch "­Kran­ken­haus­kil­ler" Schöt­teln­dreier und "­Bur­ger-Tem­pel-Be­für­wor­ter" Buch­holz Pate stan­den für so man­chen po­li­ti­schen Gag. Sei­ten­hiebe gab es für die "Rin­teln Ma­ri­na" und den "­Behör­den­traum" beim Hoch­was­ser. Stöckls Bütt war in die­sem Jahr vor­ge­zo­gen wor­den, bis­lang hatte er als High­light eher am Schluss des Kar­ne­vals sei­nen Platz ge­fun­den. Der Rin­tel­ner Kar­ne­val lebte auch in die­sem Jahr von der bun­ten Mi­schung aus hei­mi­schen Größen, Gäs­ten aus um­lie­gen­den Nar­ren­hoch­bur­gen wie Hess. Ol­den­dorf oder Ha­meln, ein­ge­kauf­ter Fröh­lich­keit und ei­nem Pu­bli­kum, dass sich so fei­er­freu­dig zeigte wie kaum ein­mal zu­vor. Die vie­len bun­ten Kostü­me, die reich­lich ge­füll­ten Glä­ser und das bunte Trei­ben auf der Bühne un­ter­halb des El­fer­ra­tes machte den Kar­ne­val aus. Wa­ren in den letz­ten Jah­ren die Zu­schau­er­zah­len rück­läu­fig und bangte man im Ver­ein schon um den Fort­be­stand des Kar­ne­vals in der We­ser­stadt, so be­wies die Ses­sion 2011, dass der Karn­val in Rin­teln lebt und ü­ber­le­ben wird.

Wei­ter so!­