Die fünfte Jahreszeit geht in der Weserstadt in ihre heiße Phase.

RINTELN.Jetzt stellt sich heraus, ob das Programm ankommt, ob gefällt, was über viele Monate ausgedacht, vorbereitet und trainiert wurde. Doch diesbezüglich dürften sich Verantwortliche und Akteure beim Rintelner Carnevalsverein heute ganz entspannt fühlen.

Die Senioren, die als Erste das Vergnügen einer Karnevalsfeier mit dem neuen Programm hatten, gaben ein klares „Daumen hoch“. 

Zwar verwandeln sich grauhaarige Damen mit kleinen neckischen Hütchen auf dem Kopf bei Kaffee und Kuchen nicht in einen johlende Haufen – da ist für die Stimmung bei der Prunksitzung durchaus noch Luft nach oben –, doch das Publikum sorgte auch am Samstag für ordentliche Karnevalsstimmung im Brückentorsaal. Da wurde mitgeklatscht, mitgeschunkelt, Trommelraketen gestartet und „Rinteln helau“ gerufen, dass die Wände wackelten.

„170 Gäste sind gekommen“, so Udo Schobeß vom RCV. So viele wie lange nicht. „Bei uns geht es steil bergauf. Es gibt ganz viel Nachwuchs. Der Verein wird wieder richtig mit Leben erfüllt.“ Und so konnte der Nachmittag schon fast ausschließlich mithilfe der eigenen Mitglieder gestaltet werden.

Es tanzten, ganz bezaubernd, die Minifürstengarde (sechs bis zwölf Jahre), die Fürstengarde und vier besonders talentierte und gelenkige junge Mädchen als Tanzmariechen. Kommentar vom Elferratsmitglied Friedrich-Wilhelm Rauch beim Anblick der ins Spagat fallenden Tänzerinnen: „Man gut, dass wir das nicht machen müssen. Ich würde wohl bis Silvester nicht wieder hochkommen.“

Nein, beim Karneval darf jeder das machen, was er am besten kann. Und so sangen die Rintelner Jungs und hatten dabei selbst mächtig viel Spaß auf der Bühne.

Der „Nachtwächter“ (Hans-Hermann Stöckl) stichelte als Büttenredner und nahm bevorzugt die Verkehrsproblematik aufs Korn. Da fand er eigentlich nur eine einzige Maßnahme lobenswert: Die Poller an der Drift sind in den Farben des RCV, rot-weiß, gestrichen.

Karneval ohne Klosterelfen geht bekanntlich in Rinteln gar nicht, und wer geglaubt hatte, so eine Tanzgruppe, die gerade vom Charme der Tollpatschigkeit lebt, würde sich nicht weiterentwickeln, der sah sich schwer getäuscht.

Zu den älteren Semestern, bei deren Anblick Elferratspräsident Stöckl spontan Erinnerungen – „Weiß auch nicht, wieso ich jetzt gerade daran denken muss“ – an die Elefantennummer von Zirkus Krone überkamen, haben sich jugendlichere Exemplare gesellt.

Das schaffte unter anderem die Voraussetzungen für ganz neue Hebefiguren. Wesernixen, „Helene Fischer“, „Heinz Erhardt“ und Büttenrednernachwuchs Fabian Jentsch rundeten das Programm ab.

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Eine weitere Erkenntnis: Neben dem ganzen bunten Bühnengeschehen vermitteln erst die vielen kleinen Eindrücke am Rande, was Karneval eigentlich ausmacht. Wenn ein Elferratsmitglied, das gleichzeitig den Klosterelfen angehört, die zweite Hälfte der Veranstaltung mit knallrotem Lippenstift am ehrwürdigen Komitee-Tisch thront, das hat schon was. Besonders stimmig in seinen mittelalterlichen Kostümen: das diesjährige fürstliche Dreigestirn, bestehend aus Fürst Frank (der Massige) von Holstein, aus Kanzler Günter (der Eiserne) und, zum ersten Mal in der Geschichte weiblich besetzt, als „Tilline“, Steffi Fromme.

Und wenn dann der Kanzler in der Fürstenloge richtig mitrockt: Sehr cool! Auch stille Stars bringt der Karneval hervor. In Rinteln ist es Markus Derau, der, ein schöner Brauch, die Aufgabe hat, alle Künstler beim Abgang von der Bühne zu begleiten. Und das macht er so galant und würdevoll, dafür müsste er glatt mal eine „Rakete“ bekommen.

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Am Sonntag übernahmen dann etwa 400 kleine und etwas größere Clowns, Piraten, Prinzessinnen und Sternenkämpfer den Brückentorsaal. Beim Kinderkarneval tobt der Saal schon, bevor das eigentliche Programm beginnt, und es braucht echte Attraktionen, um die Aufmerksamkeit des jungen Publikums zu gewinnen. Die hatte der RCV aber auch zu bieten. Gardetänzerinnen, zum Beispiel, in tollen Kostümen, nicht viel älter als ihre kleinen Fans, die zu mitreißenden Songs ihre Show-Tänze zeigen. Oder einen Kinderliedermacher wie Heiner Rusche, der erst den nicht so schrecklich geheimen Wunsch der Kinder erfüllt, und alle zum gemeinsamen Musizieren auf die Bühne einlädt, um als Nächstes erfolgreich den erst mal überhaupt nicht ausgeprägten Wunsch der begleitenden Mamas nach Bühnenpräsenz aufzugreifen – und damit auch das Eis bei den schwer entflammbaren norddeutschen Erwachsenen bricht.

Der Beifall nahm fast kein Ende, als zum großen Finale noch einmal alle Akteure auf die Bühne kamen – ein toller Nachmittag, nicht zu toppen. „Doch“, meint ein kleiner Pirat. „Gebt uns nächstes Mal mehr Konfetti.“

Die große Prunksitzung am Samstag, 18. Februar, kann kommen. Die „Generalproben“ sind bestens gelaufen und haben gezeigt: Rinteln ist in Karnevalsstimmung.

Das Programm auf der Bühne, mit den Auftritten von Travestiestar Maria Crohn und der „blutigen“ Show von Olly Schmidt wird die Narren am Samstag sicher ebenso begeistern wie die Musik der Band „two-music“ und die Auftritte der Klosterelfen, des Nachtwächters, der Fürstengarde, der Rintelner Jungs, der Wesernixen und vieler anderer bekannter Gesichter aus Rinteln. Na dann: „Rinteln Helau!“

Quelle: Schaumburger Zeitung vom 13.02.2017

Autor - Claudia Masthoff - Reporterin