Warum Karneval ruhig krachledern sein darf

Quelle: Schaumburger Zeitung vom 29.10.2012.

Rinteln (wk). „Die Krüge hoch“, brüllt Winfried Stark, Chef der „Original Steigerwälder“, in den Brückentorsaal und die aufgedrehte Festgemeinde lässt es sich nicht nehmen, dieser Aufforderung begeistert Folge zu leisten. Begleitet von schlachtrufartigen Bestätigungsrufen „...hoch“ stemmen die – zum Teil sogar auf Bänken und Tischen stehenden – Feiernden ihre randvollen Bierkrüge nach oben, um dann lautstark in das von der Kapelle intonierte „Prosit der Gemütlichkeit“ einzustimmen. 

Unüberseh- und -hörbar hat die Stimmung bei dem vom Rintelner Karnevalsverein ausgerichteten Oktoberfestes den Siedepunkt erreicht, und das, obwohl der Samstagabend noch nicht mal weit fortgeschritten ist. Eindeutig ein Verdienst eben dieser aus dem süddeutschen Donnersdorf angereisten volkstümlichen Musikkapelle, die offenbar nicht ohne Grund von einem Künstler-Magazin als „beste Show- und Stimmungsband“ ausgezeichnet worden ist und bislang fünf Goldene und eine Platin Schallplatte eingefahren hat.

Auf die Schultern klopfen darf sich freilich auch der Karnevalsverein, der das Wagnis eingegangen ist, nach rund eineinhalb Jahrzehnten des von diesem – an gleicher Stelle alljährlich im Oktober – ausgerichteten „Bockbieranstichs“ in diesem Jahr stattdessen ein zünftiges Oktoberfest auf die Beine zu stellen. Nicht nur, dass beim „Wies’n-Vergnügen“ nun auch die Damen mit von der Partie sein dürfen: Die in fesche Dirndl gekleideten „Madln“ bieten überdies auch einen überaus reizenden Anblick, der seinen Teil zur besonderen Atmosphäre der Veranstaltung beiträgt.

„Es ist schon ein sehr schmückendes Kleidungsstück und es trägt sich super“, sagt Anne-Maren Wiebusch (33) aus Petershagen, um dann herzlich lachend nachzusetzen: „Es gibt schlimmere Klamotten, die pornomäßiger aussehen.“

„Bei Frauen gilt ja generell die Regel: Man darf nur eines zeigen – Bein oder Dekolletté“, konkretisiert Melanie Schutzka, die ebenfalls ein hübsches Dirndl trägt. Dass auch sie damit manch Männerblick auf sich zieht, ist der Rintelnerin freilich durchaus bewusst. Mehr noch: „Wir haben uns schon amüsiert, weil unsere Männer es so toll finden“, verrät sie fröhlich. Sie selbst wiederum hat aber auch Gefallen am Bayern-Look der Herren: „Das ist super“, resümiert die 33-Jährige, die ihrem Ehemann genau deshalb eine zünftige Krachlederne gekauft hat. Zum einen, da ein Oktoberfest aus ihrer Sicht ja „etwas von Karneval“ hat, zum anderen, weil eine Trachten-Lederhose die strammen Waden ihres Gatten schön zur Geltung bringt.

Gesponsert worden ist das Oktoberfest von der Sparkasse Schaumburg, den Stadtwerken Rinteln, der Schaumburger Privat-Brauerei und der Schaumburger Zeitung. Die Verköstigung der Besucher mit deftiger Kost hat die Fleischerei Rauch aus Rinteln übernommen.

Hoch zufrieden mit dem Verlauf des Abends ist zudem Stephan Nagel, der mit seiner Herrenriege eben noch auf Tischen und Bänken getanzt und jetzt wieder festen Boden unter den Füßen hat: „Eine grandiose Stimmung, ein voller Saal, tolle Musik, das Bier schmeckt phantastisch und das Essen ist auch klasse“, bringt er es auf den Punkt. Nebenbei berichtet der gebürtige Rintelner, dass er extra wegen des Oktoberfestes aus seiner nahe Hamburg gelegenen Wahl-Heimat Remmingen in die Weserstadt gekommen ist, während sich seine Ehefrau derweil zu Hause um das vor wenigen Wochen geborene gemeinsame Töchterchen kümmert. Obwohl insofern ohne Aufsicht, gibt er sich galant: Die tiefen Ausschnitte in den Dirndln der Madln seien doch „langweilig“ verglichen mit dem, was seine Frau zu bieten habe, resümiert der 34-Jährige augenzwinkernd, um gleich wieder auf die Bank der Bierzeltgarnitur zu steigen.

Bilder vom Oktoberfest 2012 gibt es hier:

Verköstigung des Festbieres der Schaumburger Privat-Brauerei

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