Kann Rinteln Karneval? Na, und wie!

Quelle Schaumburger Zeitung - Autor Claudia Masthoff - Reporterin

RINTELN. Die Prunksitzung des RCV im Brückentorsaal, das große Finale nach Senioren- und Kinderkarneval, brachte es endgültig ans Licht: Die Rintelner haben das Karnevalsgen. Das galt zum einen für das unglaublich fantasievoll verkleidete Publikum.

Längst wird da nicht mehr nur am Grabbelstand der Supermärkte Beliebiges herausgesucht. Nein, Piraten tragen Uniformjacken aus dickem Stoff, brokatverziert. Paare zeigen auf originelle Art, wie beispielsweise als Senf- und Ketchupflasche kostümiert, ihre Zusammengehörigkeit.

Eine ganze Herde Einhörner macht den Brückentorsaal unsicher. Und manche Kostüme erzählen richtiggehend eigene Geschichten. Da gibt es zum Beispiel weibliche amerikanische Cops, die eine Strafgefangene, stilecht in gestreiftem Gefängnisanzug, an Handschellen mitführen oder den Schmetterlingsfänger im Tro-penlook, der von zwei ausgewachsenen, hübschen Schmetterlingen begleitet wird.

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Auch Königshaus und Elferrat (souverän geführt durch Präsident Hans-Hermann Stöckl) haben eindeutig ihr karnevalistisches Talent bewiesen. Ganz herausragend gut war dieses Jahr die Rolle des Till mit einer Frau, und zwar mit Steffi Fromme, besetzt. Diese unermüdliche, Energie- und gute Laune versprühende Tänzerin passte wie die Faust aufs Auge zur Figur des klassischer Gegenspielers zum fürstlichen Pomp am Hofe. Kanzler Günter „Der Eiserne“ wiederum wird diesen Tag bestimmt auch nicht so schnell vergessen. Für den war die Prunksitzung nämlich gleichzeitig Geburtstagsparty!

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Und manchmal sind es genau die „einfachen“ Elferratsmitglieder, die entzücken. Klippenturmwirt Jörg Riechert, zum Beispiel, ist beim Karneval offensichtlich so richtig in seinem Element. Als Straßenbauarbeiter an der Baustelle im Eingang des Brückentorsaales – das Motto des Abends hieß schließlich „Willkommen im Stau, Rinteln Helau“.

Da machte er mit zwei „Kollegen“ vor, wie angraben attraktiver weiblicher Gäste mit Hilfe einer Schaufel noch viel wirksamer wird, und dass man mit Schaufel und Besen auch ganz hervorragend Luftgitarre spielen kann. Die Absperrung selbst war übrigens ausgesprochen liebevoll gestaltet: da fehlte weder der leere (!) Kasten Bier noch die Bild-Zeitung und selbst an eine Rolle Klopapier an gut sichtbarer Stelle war gedacht. Die drei von der Baustelle hatten ansteckend viel Spaß.

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Das kann man auch dem Rest des Hofes und des Elferrates bescheinigen. In der Fürstenloge (Fürst Frank der Massige war leider aus familiären Gründen verhindert, wurde jedoch durch Uli vom Ahornberg würdig vertreten) herrschte ständig Hochstimmung, und an den Gesichtern des Elferrates ließ sich ablesen, wie emotional das ganze ehrwürdige Komitee mit dem Programm mitging. Da war Stolz zu sehen, als die RCV- Fürstengarde, die sich prächtig entwickelt hat, auftrat, Anerkennung für die Wesernixen, Fröhlichkeit bei den Liedern der Rintelner Jungs, Amüsiertheit beim Auftritt der Klosterelfen, viel Zustimmung, als Nachtwächter (Hans-Hermann Stöckl) Rintelns Verkehrs- und sonstige Probleme spitzzüngig, klug und gereimt aufs Korn nahm.

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Die musikalische Gruselshow von Marktkauf-Olli (derzeit bekannt durch seine Teilnahme bei DSDS) schien eher gemischte Gefühle, Faszination und leichte Verstörtheit, auszulösen, dagegen gab es absolute Begeisterung beim Auftritt von Transe Maria Krohn. „Man Vater ist, kann man sich ja denken, Asbach Uralt.“ Die brachte aber auch alles mit, was zu einem ordentlichen Transenauftritt dazu gehört: Humor, Stimme und glitzernde Kostüme. Im ersten, mit vielen schwarzen Federn geschmückten, erinnerte sie ein wenig an ein überdimensioniertes Huhn im Festtagsgewand. Auch die Frisur passte da ins Bild.

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Beim zweiten Auftritt kam eine goldene Muschel ins Spiel. „Und ich bin die kleine, fette Perle darin“, nahm sich Maria, wie so oft an diesem Abend, selbst auf die Schippe. Bemerkenswert und in diesem Metier nicht selbstverständlich: Der Künstlerin gelang es, nicht auf dem schmalen Grat zwischen echtem Humor und Derbheit abzustürzen. Sehr liebenswert und sympathisch!

Abgerundet wurde das Programm durch Partymusik der Gruppe Two-Music. Die sorgten dann auch dafür, dass nach Mitternacht noch lange weitergefeiert werden konnte. Ein ganz toller Abend!

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